• MGB-Head No1
  • MGB-Chor

    MGB-Chor

  • Schüleraustausch

    Schüler-Austausche

  • Sinfonieorchester

    Orchester

  • Naturwissenschaft und Technik

    Naturwissenschaft und Technik (NwT)

Studienfahrt der Jahrgangsstufe J2 nach Berlin

Lesen Sie hier einen Bericht beteiligter Schülerinnen: Das Motto der diesjährigen Studienfahrt der Kurse von Herrn Söhner und Herrn Soedradjat war: "Eigentlich wollten wir gar nicht nach Berlin“. Am 22.10.2018 begann unsere Reise in die deutsche Hauptstadt mit, wie sollte es auch anders sein, einer 30-minütigen Verspätung unseres ICEs in Karlsruhe. Als wir am Spätnachmittag endlich unser Hostel in Kreuzberg erreichten und die Zimmerverteilung endgültig geklärt war, hatten wir eine knappe Stunde Zeit um auszupacken, ehe wir uns auf eine kurze Führung zum Brandenburger Tor, dem Holocaust-Denkmal und dem Martin-Gropius Bau machten, um die Zeit vor unserem gemeinsamen Abendessen zu überbrücken. Diese erfolgte durch unsere Kurslehrer Herrn Söhner, Herrn Soedradjat und Herrn Reiber. Bereits am ersten Abend wurden viele Bilder gemacht und man konnte die gute Stimmung innerhalb der Gruppe, trotz des anfangs ungeliebten Reiseziels, deutlich spüren, die auf eine tolle, unvergessliche Woche schließen ließ.

 Am Dienstag hatten wir zunächst mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Stürmisch, kalt und regnerisch, sodass unser Besuch beim Checkpoint Charlie, dem berühmtesten Grenzübergang zwischen West- und Ostberlin, eher kurz und sporadisch ausfiel. Anschließend besuchten wir den Tränenpalast, die ehemalige Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle Bahnhof Friedrichstraße, der heute als Museum dient und die beschwerliche Ausreise aus Ostberlin anschaulich macht. Nach diesem Besuch hatten wir bis zum Mittag Freizeit, die viele für einen Bummel durch die „Mall of Berlin“ nutzten, denn nach draußen wollte bei dem Wetter niemand freiwillig. Mittags hatten wir eine interessante Führung durch die Dauerausstellung „Topographie des Terrors“. In der Ausstellung wird der Terror des Nationalsozialismus, insbesondere des NS-Regimes in der Zeit zwischen 1933 und 1945 aufgearbeitet und dokumentiert. Das Besondere an dem Gelände ist dabei, dass dort, wo heute die „Topographie des Terrors“ steht, sich zur NS-Zeit das Hauptquartier der Gestapo befand. Nach dieser wirklich interessanten Führung bekam eine Klasse noch eine Führung durch die Berliner Unterwelten, der andere Teil der Gruppe hatte den restlichen Nachmittag und Abend frei und so wurde die Hauptstadt in Kleingruppen unsicher gemacht. 

Am Mittwoch stand Politik auf der Tagesordnung, ein Besuch des Bundesrates vormittags und mittags der Besuch des Bundestages, sollte unser Politikinteresse stillen. Für viele war der Besuch des Bundesrates deutlich spannender als der des Bundestages, was sicherlich auch daran lag, dass wir im Bundesrat eine Plenarsitzung selbst nachstellen durften. Zunächst wurden wir von Manfred Petersen durch das Bundesratsgebäude geführt. Hierbei erfuhren wir, dass einige Teile des Gebäudes noch immer im Originalzustand sind und auch schon in der NS-Zeit so vorzufinden waren. Im Plenarsaal wurde uns dann erklärt, wie die Anzahl der Stimmen pro Bundesland verteilt sind, dass es dabei auf die Einwohnerzahl ankommt, diese jedoch nach oben hin begrenzt ist. Anschließend wurden wir in "unseren eigenen" Plenarsaal geführt. Wir bekamen die Aufgabe, die Sitzung rund um das Gesetz zur Legalisierung von Cannabis nachzustellen und unseren eigenen Beschluss zu wählen. Um das ganze schließlich abzurunden, besuchten wir mittags den Bundestag. Dort bekamen wir auf der Besuchertribüne des Plenarsaals einen knapp einstündigen Vortrag, in welchem uns die Sitzverteilung der einzelnen Parteien, der Ablauf einer Sitzung und die Aufgabe der Stenographen, der "Schreiber", erklärt wurden. Anschließend konnten wir auf die Dachterrasse - die Kuppel war an diesem Tag leider wegen Putzarbeiten geschlossen - und hatten dort einen schönen Rundumblick über Berlin. Im Anschluss machte sich der zweite Kurs auf zur Führung durch die Berliner Unterwelten. Dort wurden uns die Fluchtwege, welche mal mehr, mal weniger erfolgreich genutzt wurden, erklärt und teilweise sogar gezeigt. Die meisten der selbstgebauten Fluchttunnel waren wenig erfolgreich und wurden schnell entdeckt. Der berühmteste Tunnel ist hierbei der "Tunnel 57". Er war 145 Meter lang und innerhalb von zwei Nächten konnten 57 Menschen durch diesen Tunnel von Ost- nach West-Berlin fliehen, ehe auch dieser Tunnel entdeckt und schließlich zerstört wurde. Neben den selbstgebauten Fluchttunneln wurde auch die Kanalisation zur Flucht genutzt. Dies wurde allerdings schnell bekannt und so wurden viele Kanalrohre mit (bodentiefen) Gittern versehen, um das Hindurchkommen zu verhindern. Nach diesem wirklich interessanten und spannenden Ausflug in die Berliner Unterwelten machten wir uns abends alle gemeinsam auf den Weg in den berühmten Berliner Club „Matrix“ und tanzten und feierten ausgelassen. 

An unserem letzten Tag in Berlin besuchten wir die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, das ehemalige Stasi-Gefängnis. Dort bekamen wir von dem ehemals inhaftierten DDR-Bürger Friedemann Körner eine Führung durch die Gedenkstätte . Er zeigte uns das Kellergefängnis, das Haftkrankenhaus mit Gummizellen, die Ermittlungsabteilung und vieles mehr. Er selbst wurde damals verhaftet, da bei ihm angeblich der Verdacht bestand, dass er bei einer Konzertreise nach Tokio sich dort absetzen wollte, um zu fliehen. Des Weiteren beschuldigte man ihn des Drogenbesitzes und -konsums, was jedoch frei erfunden war und, wie er uns erzählte, lediglich als Grund gehandhabt wurde, um ihn länger in Haft behalten zu können. Seine ganze Geschichte und auch das, was er uns erzählte, berührte uns sehr und es ist unmöglich sich vorzustellen, was dieser Mann, sowie Tausende andere Unschuldige in dieser schlimmen Zeit durchmachen mussten. Nach dieser sehr bewegenden, für viele die, markant gesagt, beste Führung in dieser Woche, hatten wir für den restlichen Abend frei. Diese Zeit wurde von einigen zum Beispiel für einen Besuch im Musical „Tanz der Vampire“ genutzt.

Am Freitag, den 26.10.18 hieß es dann Tschüss Berlin und Hallo Heimat. Allerdings sammelte sich auf dem Heimweg eine Verspätung von über zwei Stunden an und wir kamen deutlich später als erwartet wieder zu Hause an. Das konnte die Stimmung innerhalb der Gruppe allerdings kaum trüben, da wir in dieser einen Woche alle viel stärker zusammengewachsen sind und dies für alle eine wunderschöne, unvergessliche Studienfahrt war.

Selina Kschischek, Luisa Lafferton und Lisa Schittenhelm (J2a)