„Schluss mit dem Narrenunfug!“. Dieser Forderung des Lord Lensingham muss unbedingt widersprochen werden. Denn die Theater-AG lieferte an zwei Abenden ein wahres Feuerwerk an Spiellaune, Wortwitz und Situationskomik. „Characting – von Göttern und Narren“ wurde vom Publikum lautstark gefeiert. Man wollte also unbedingt mehr davon.
Illusion und Wahrheit sind im Verlauf dieses intelligenten Schauspiels immer weniger voneinander zu unterscheiden. Und es wimmelt nur so von witzigen Charakteren. Da ist der nur in Bibelzitaten sprechende Mönch, der getarnte Revolutionär, der unter Druck agierende Regisseur, der gewaltverherrlichende Lord Lensingham, die intrigante Lady Evelyn, die zartbesaitete Wache und noch einige mehr. All diese Figuren ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und der Zuschauer ist gebannt von den sich daraus ergebenden Spannungsfeldern. Als besonders reizvoll erweist sich der Konflikt zwischen den Despoten, den die Gräfin für sich entscheidet, denn sie hat dem Bären jagenden Lord eines voraus: Intelligenz. Unterstützt wird sie von einer Doppelagentin, die beiden Herrschern charmant zuspielt und sich dadurch trotz der dienenden Funktion ein Stück Kontrolle bewahrt. In der Reflexion der Physikerin über das Wesen der Welt und des Theaters zeigt sich, wie eng beide miteinander verknüpft sind. Der Krieg der Staaten wird zum Improtheater in der Taverne und durch die Improvisation ist nichts mehr vorauszusehen, alles bleibt spannend und verlangt unbedingte Aufmerksamkeit. Man könnte so manches Bonmot herausgreifen, aber viel wichtiger ist die Energie, die von der Bühne auf das Publikum überspringt.
Das Ensemble, unterstützt von Lukas Gimbel (Piano), Tobias Block, Peter Kornblum (Technik), Nelly Sauter und Beate Metz (Theaterpädagogik), hat mit „Characting“ ein tolles Stück ausgewählt. Philipp Neuweiler, der damals Abiturient am MGB war, verfasste es 2012 und brachte es in Eigenregie zur Aufführung. Zurzeit lebt er in Mainz und ist mittlerweile als Autor, Regisseur, Medienschaffender und Dozent tätig. Er kam am Tag vor der Premiere nach Bretten, um sich die Generalprobe anzuschauen und war sichtlich begeistert vom Spiel des jungen Ensembles um Spielleiter Sven Reinwald. Er bestärkte die Schauspielerinnen und Schauspieler durch sein positives Feedback und gab ihnen für die Premiere dadurch Mut und Selbstbewusstsein. Beides war am Abend der Premiere deutlich spürbar. Erwähnt sei auch, dass die Arbeitsgemeinschaft so viele begeisterte Mitglieder hat, dass an den beiden Abenden in unterschiedlichen Besetzungen gespielt wurde, um allen das Rampenlicht zu gönnen. (Soe)












