355 n. Chr. in Köln: Eine Schar Bewaffneter stürmt durch die Straßen. Die Soldaten haben den Auftrag, einen Putsch zu beenden. Der Offizier Silvanus hatte sich in Köln zum Gegenkaiser ausrufen lassen. Sein letzter Ausweg: eine christliche Kirche – doch auf dem Weg dorthin wird er eingeholt und erschlagen.
Dieser Bericht des Römers Ammianus Marcellinus erwähnt zum ersten Mal eine christliche Kirche in Köln. Im Unterricht hat sich die Lateinklasse 10bc mit dem Originaltext auf eine Fahrt in die Rheinmetropole eingestimmt, um die archäologischen Entdeckungen in historisches Hintergrundwissen einordnen zu können. Köln gehört zu den wichtigsten Römerstätten in Deutschland.
Unser Streifzug nimmt seinen Anfang unausweichlich am Hauptbahnhof und somit am Dom, wo sich möglicherweise schon jene Kirche befand, die Silvanus nicht mehr erreichte. Und tatsächlich: Unterhalb des beeindruckenden Doms sind freigelegte Fundamente eines römischen Gebäudes hinter einer Scheibe zu sehen. Nebenan bei der Domplatte wurden Bruchstücke des römischen Nordtors wiederaufgebaut – die römische Stadtgrenze durchschnitt einst die heutige Fläche des Doms. Zwischen Antike und Mittelalter, zwischen Dom und Römertor: Hier muss unser Gruppenfoto entstehen.
Um die römische Stadtmauer entlangzugehen, müssen wir nur der heutigen Straße folgen. Dabei entdecken wir immer wieder Mauer- und Turmreste, die teils bis zu ihrer mutmaßlichen Originalgröße rekonstruiert wurden. Dabei behalten wir stets den Dom am Beginn der schnurgeraden Route im Blick.
Auf der alten Mauerlinie finden wir zudem den „Römerbrunnen“: ein Denkmal für die römische Stadtgründung, das 1915 von einem Künstler entworfen wurde. Es illustriert die Gründungsgeschichte, die maßgeblich von einer Frau geprägt wurde: Agrippina, die ihrem Mann, Kaiser Claudius, empfahl, ihre noch junge Heimatstadt nach ihr selbst zu benennen – Colonia Claudia Ara Agrippinensium.
Eine etwas andere Station ist dann die Kirche St. Gereon, die neben ihrer beeindruckenden Architektur ebenfalls eine lange Geschichte birgt: Ein Mosaikfragment kündet hier von der Römerzeit und erinnert uns wieder an die Geschichte von Silvanus, der in einer christlichen Kirche Zuflucht suchte.
Einen Querschnitt durch den römischen Alltag am Rhein liefert uns dann die Sammlung des Römisch-Germanischen Museums. Dort erwartet uns auch ein wichtiger römischer Meilenstein, der die „Colonia“ eindeutig mit Köln identifiziert. Aber auch germanische bzw. keltische Objekte sind hier zu sehen und zeigen auf, wie viel Austausch und Handel in dieser Grenzregion stattfand.
Das Mittagessen nehmen wir thematisch passend in einem Restaurant ein, bei dessen Bau römische Artefakte gefunden wurden und die im Gastraum ausgestellt sind.
Zum Abschluss tauchen wir wortwörtlich in die Geschichte hinab. Denn noch unter dem römischen Bodenniveau wurde das „Ubiermonument“ gefunden, dessen heutiger Name an die Volksgruppe erinnern soll, die vor den Römern hier heimisch war. Unklar ist dabei, ob es sich um einen reinen Wachturm oder vielleicht auch eine Grabstätte handelte. Jedenfalls ist sein sensationelles Alter dadurch nachweisbar, dass die Stadtmauer bereits an ihn angebaut worden sein muss, wie wir bei einer spannenden Führung hörten.
Kunstvolle antike Gläser, der Blick von der Römermauer auf den Dom oder die besondere Atmosphäre in einer einzigartigen, historischen Kirche – bei diesem intensiven Tauchgang in das römische Köln konnte jede Schülerin und jeder Schüler bleibende Eindrücke für sich mitnehmen.
Foto Stadtplan: Alöna Belousow, Foto Dom: Anika Feurer, sonstige Fotos: Johannes Thiede





